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Mythologie und Geschichte

Inhalt:

» Lebensbaum
» Maibaum
» Weihnachtsbaum
» Tanz- und Gerichtslinde

Bäume haben den Menschen von seinem Anbeginn in urvordenklichen Zeiten begleitet. Ihr Werden und Bestehen entspricht dem Leben des Menschen.
Bäume sind symbolträchtige Gestalten, Persönlichkeiten. Manche erreichen riesige Ausmaße- der kleine Mensch ist ein Nichts gegen sie. Andere wieder, alt wie die Patriarchen der Bibel, werden zu legendenumwobenen Wesen.

Eine der ältesten schriftlichen Urkunden, die Bibel, berichtet vom ersten Wohnort der Menschen, der voller Bäume war, der Garten Eden. Alle Völker der Erde besitzen ihre heiligen Bäume.
Die ältesten heiligen Stätten waren durch einen Baum oder Baumhain gekennzeichnet. Unter der alten Eiche bei Hebron, die heute noch gezeigt wird, erschien Jahwes Engel dem Abraham. Viele Gotteserscheinungen der Bibel ereigneten sich im Zeichen des Baumes- bis hin zu dem Baum des Kreuzes auf Golgatha.

Stark berührt uns auch die Überlieferung von der Weltesche Ydraggsil der nordischen Mythologie. Danach verdanken Menschen, Tiere und Pflanzen ihre Existenz dem Weltenbaum. Nach der Edda reichten seine Wurzeln bis in die Tiefen der Unterwelt, während sein immergrüner Wipfel sich in den Himmel erstreckte. Auf diese Weise verband er Himmel, Erde und Unterwelt. Weißer Nebel netzte den Baum und fiel als Tau in die Täler; der Tau seiner Zweige war das Lebenswasser des Himmels, das sich in der Unterwelt zu einem Brunnen sammelte. Drei Quellen entsprangen an seinem Fuß: Hvergelmir, die Mutter aller Weisheit; und die Quelle des Schicksals, die von Urd, der weisesten aller Nornen, behütet würde. An seinen Wurzeln aber nagte die Schlange Nidhagg, um den Baum zu zerstören. Aber der Adler der Götter, der in dessen Zweigen wohnt, vertrieb die Schlange.

Unsere germanischen Vorfahren verehrten die "Irmensul" als den Weltenbaum. Sie galt als die "Säule des Volkes", die von allen verehrt wurde. Nach dem Bericht des Abtes Rudolf von Fulda, der noch die Enkel Wittekinds gekannt hatte, war der Irmensul ein großer Baumstamm unter freiem Himmel , der Lebens- und Schicksalsbaum der ganzen Stammesgemeinschaft. Karl der Große hat (nach den Lorscher Annalen) im Jahr 772 nach der Eroberung der Erseburg auch das Heiligtum der Irmensäule zerstört.

Lebensbaum

Da das Schicksal des Menschen den Bäumen glich, wurden bestimmte Bäume zu Lebens- und Schicksalsbäumen erklärt. Bis in die heutige Zeit hat sich die Sitte erhalten, bei der Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen.

In vielen deutschen und benachbarten Landschaften trugen bei einer Hochzeitsfeier die Teilnehmer einen grünen Baum dem Brautpaar beim Hochzeitstag voran. In die Wäsche der Brautleute stickte man die Figur eines Baumes als Wunsch dafür, dass der Schicksalsbaum der jungen Leute mit in die neue Heimat zöge und dort für seine Schützlinge sorge. In Schweden nannte man diesen Baum Vardträd = Schutzbaum. Die drei bekannten Familien-. Linnä (Linnaeus), Lindelius und Tiliander nannten sich so nach dem gleichem Schutzbaum, einer dreistämmigen Linde. Auch andere Namen wie Birkenmaier, Eschenmayer, Pirkmayer u.a. überliefern die Namen der Schutzbäume der betreffenden Familien. Der im Hausbalken wohnende Geist ist identisch mit dem Geist des zum Balken verarbeiteten Baumes.

Maibaum

Ein Lebens- und Schutzbaum ist auch der Maibaum, der persönliche wie der des ganzen Dorfes. Die heiratsfähigen Burschen stellten ihn des nachts vor dem Haus ihrer Liebsten auf- unbeliebte Mädchen erhielten einen vertrockneten Baum vor die Tür gesetzt. Auch die Honoratioren erhielten einen Maibaum. Der Kerwebaum, die Kletterstangen des Kirchweihfestes, der Richtkranz auf den First des neuen Hauses, der Erntemai (Erntekranz) im Herbst sind Schutzbäume im bäuerlichen Brauchtum.

Weihnachtsbaum

Wer denkt daran, daß der Brauch des Weihnachtsbaumes auch in jene frühen Zeiten zurückreicht - als Abbild des Weltenbaumes, dessen Sterne als Kerzen brennen, des Schutzbaumes des Menschen?

Die genannten Bräuche traf die junge christliche Kirche an und übernahm sie, nachdem sie sie "getauft" hatte, und damit ihren Sinn vertiefte. So bezeichnete die mittelalterliche Poesie nun Christus als Reis aus der Wurzel Jesse, als Weizen, der zum Himmelbrot zusammengefügt wurde. Sein Kommen war im Lebensbaum des Paradieses verkündet worden. Und nun vollzog sich am Christbaum eine Gleichsetzung des Paradiesbaumes als Baum des Lebens mit Christus, zu dessen Abbild er wurde. Mit Äpfeln behangen und mit Lichtern besteckt fand er Eingang in die Vorhallen der Dome, der "Paradiese", wo man um ihn herum die Weihnachtsspiele aufführte.

Tanz- und Gerichtslinde

Der Lindenbaum ist tief in unserem Volk verwurzelt. Unsere Vorfahren sahen ihn als das Abbild des Kosmos mit seinen drei Bereichen. So schnitt man die Linde in Stufen: Der Raum unter der ersten Astkrone gehörte den Unholden und Dämonen, der Unterwelt. Der Bereich oberhalb der ersten Aststufe war dem Menschen zugehörig; oberhalb der zweiten Aststufe aber wohnten die Götter (die Arsen). - Die Linde war der germanischen Göttin Freyja zugeeignet, der Göttin des Wohlstandes, der Fruchtbarkeit, der Liebe - der Gattin, Frau und Mutter schlechthin. Kein Wunder, daß man die gern geübte Liebesbezeigung, den Tanz, in das Geäst dieses Baumes verlegte, und zwar in den Teil der Laubkrone, die den Menschen bestimmt war. Deshalb wurde in der Höhe der ersten Stufe ein Gerüst aufgeschlagen, das die Musikkapelle und die Tanzenden aufnehmen konnte. Die Limmersdorfer Stufenlinde in Franken ist die einzige Linde in Deutschland, die heute noch zur "Lindenkerwa" (letzter Sonntag im August nach St. Bartholomä) betanzt wird. Der Tanz in oder unter der Linde wurde zum Wahrzeichen des zwischen zwei Menschen geschlossenen Bundes fürs Leben.

Unter der Linde "sub tilia" wurde Recht gesprochen. Solche Gerichtslinden dürften auf alte vorchristliche Kultstätten zurückgehen. Sie standen und stehen auf beherrschenden Kuppeln der Landschaft, auf öffentlichen Platzen, an Burgen. Die älteste Linde in Deutschland steht in Staffelstein; ihr Umfang beträgt 22 Meter, ihr Alter vermutlich 1100 bis 1900 Jahre. Und sie grünt heute immer noch.

Am Brunnen neben der Dorflinde traf sich jung und alt zum feierabendlichen Schwatz. Aber auch, wenn im Dorf jemand gestorben war, wurde sein Sarg noch an der Dorflinde, dem Schutzbaum, vorbeigetragen und der Deckel des Sarges noch einmal abgenommen.

"Am Brunnen vor dem Tore, da stand ein Lindenbaum..."

Bäume, im Fränkischen die Linde, im Niedersächsischen die Eiche, beschirmten die Wegekreuze und Materln in der Landschaft; und mancher Wallfahrtsort ist aus einem an einem alten Baum befestigten oder unter ihm aufgestellten Kreuz, einer Heiligenstatue oder Madonnenbild entstanden - Zeichen des Fortlebens der Überlieferung des Heiligen Baumes bis in unsere Tage!

Was haben diese Erinnerungen und Überlegungen für uns heute zu bedeuten? Nun, unsere Städte und Gemeinden, unsere Landschaft, sollen uns ja nicht nur Schlafstätten und Produktionsflächen, sondern vielmehr sollen sie uns Heimat sein. Heimat aber kann sich nur ereignen in Rückgriff und Verbindung mit der Natur aus der wir kommen, und in Verbindung mit unseren Überlieferungen.

Wir mögen noch so fortschriftlich sein und zum Mond und Mars fliegen - aber unser Körper reagiert nach wie vor wie der des Neandertalers, oder er wird krank, was uns die vielen Zivilisationskrankheiten überzeugend vor Augen führen. Auch sind die psychischen Fehlentwicklungen und innere Verarmung vieler Mitbürger, besonders unter der Jugend, aus der heute weitverbreiteten Nichtbeachtung unserer ursprünglichen tiefen Bindungen zur uns umgebenden Natur zu erklären.


Zitate aus dem Buch von Aloys Bernatzky: "Baumkunde und Baumpflege", 5. erweiterte Auflage 1994 mit freundlicher Genehmigung von THALACKER MEDIEN, Braunschweig
Seiten 9-12